09/2026 Diesmal waren wir auf unseren Weltreisen durch Küchen zu Gast bei Irlanda in Mexiko. Schon zum vierten Mal öffnete sie für den Verein „Weltreise durch Wohnzimmer“ ihre Tür: Einmal zum Dia de los muertos im November, einmal im Dezember, um mit uns zu Weihnachten in Rietberg mit Fackeln singend durch die Stadt zu ziehen und zweimal, um mit uns zu kochen. Irlanda wählt den Monat, in dem sie ihr Wohnzimmer oder ihre Küche öffnet immer sehr bewusst in Verbindung mit Traditionen ihres Herkunftslandes.
Der Monat September ist in Mexiko ein besonderer Monat, denn am 16.9. feiert man den wichtigsten nationalen Feiertag, den Unabhängigkeitstag. Es ist zwar schon viele Jahre her, dass Mexiko unabhängig wurde, aber in Mexiko wird alles intensiv mit Straßenparaden und Musik und Tanz gefeiert. „Wir lieben es, zu feiern!“ sagt Irlanda strahlend. Und von der Abhängigkeit von der spanischen Kolonialherrschaft zurück zu den indigenen Wurzeln zu kommen, ist allemal ein Grund zum Feiern!
Am 16.9. isst man traditionell Pozole, einen Mais-Eintopf. Es gibt ihn in den Farben rot (mit roten Chilis), grün (mit grünen Chilis und Kräutern) oder weiß.
Basis ist weißer Mais, der beim Kochen aufblüht wie eine Blüte einer Blume. Das sieht richtig schön aus! Dazu ergänzt man dann die anderen Nationalfarben, sodass auf dem Teller die Farben Rot, Weiß und Grün der mexikanischen Flagge erscheinen. Unsere rote Suppe ergänzten wir mit Radieschen, Salat und Zwiebeln.
Zur Vorspeise wollten wir eigentlich Tostadas essen, aber wir vergaßen sie im Ofen und sie wurden zu dunkel. Pannen passieren. So wie im wahren Leben!
Also gab es spontan Quesadillas: mit Zwiebeln, Pilzen und Käse gefüllte Tortillas aus dunklem Maismehl.
Irlandas Lieblingsfrucht ist die Mango. Unser Dessert war eine Torte mit drei verschiedenen Milchprodukten und Mango – „Tres leches de mango“.
Dann bereiteten wir selbst ein köstliches, für mich ganz neues Getränk zu: Kaktusfeigensaft.
Auch im arabischen Raum kennt man die Frucht gut, wie ich erfuhr. Irlanda zeigte uns, wie man sie schält. Es gibt Kaktusfeigen „Tunas“ wie Äpfel hierzulande in etwa 20 verschiedenen Sorten.
Irlanda ist ein wandelndes mexikanisches Lexikon und kennt die Kultur und die Geschichte ihres großen Heimatlandes so gut, was mich immer wieder beeindruckt. Sie teilt dieses Wissen herzlich gern beim Schnippeln, Kochen und gemeinsamen Essen.
Sie sagt, niemand koche so gut wie ihre Mutter. Früher durfte sie nie an den Topf. Sie durfte nur schnippeln oder die Tortillas pressen und backen. Irlandas Sohn genießt gerade Omas Küche und wird während eines Auslandssemesters in Mexiko verwöhnt.
Verwöhnt wurden wir auch noch am Tisch von Irlanda, die uns die Wahl zwischen Kaffee und Kakao ließ. Mexikanischer Kaffee wird ohne Milch getrunken, aber mit einer Zimtstange, Nelken, Anis und Orangenschalen gekocht.
Mexikanischer Kakao wurde bis zur Eroberung Mexikos durch die Spanier auch ohne Milch, dafür mit Wasser und Zimtstangen aufgekocht. Da wir uns alle für Kakao entschieden, gab es eine Kakao-Zeremonie für uns 13 Frauen.
Das Essen zeremoniell abzuhalten, ist Irlanda sehr wichtig. Vor jedem Essen dankt sie den Händen, die das Essen angebaut, hergestellt und zubereitet haben.
Da auch muslimische Frauen zu Gast waren, hat Irlanda übrigens alle Zutaten für das Menü halal eingekauft.
Irlandas Tochter spielte für uns Klavier, „Für Elise“ von Beethoven, während Irlanda unsere Reisepässe stempelte. Das war die Generalprobe vor Gästen, denn am Folgetag spielte sie auf einem Konzert.
Als Dankeschön haben wir für Irlanda Blümchen aus dem Garten dabei und eine Piñata, ein gebastelter Esel, der traditionell mit Süßigkeiten gefüllt wird. Eigentlich verschenkt man ihn zu Weihnachten, aber Irlanda sollte nun endlich mal zu dieser Gelegenheit eine Piñata für sich allein bekommen. Sie war zu Tränen gerührt, denn in ihrer Kindheit musste sie den Inhalt immer mit allen Geschwistern teilen. Als Erwachsene war es nun soweit! Sie nennt ihren Esel liebevoll Filomeno.
Herzlichst verabschiedet wurden wir von unserer Gastgeberin mit den Worten: “Ihr wisst ja jetzt, wo ihr klingeln müsst! Kommt einfach vorbei!“ Ist das nicht toll, wie herzlich sich vorher fremde Menschen nun verabschieden?
Irlanda, ich mag deine Küche mit den vielen, vielen Pflanzen! Es war so schön, bei typisch norddeutschem Wetter in deiner mexikanischen Küche Gast sein zu dürfen! Du hast uns allen die Sonne ins Herz gezaubert!
Danke für diese unvergessliche Reise!
(Text: Ina Bewermeier)


