10/2026 Unsere Kochreise zum Herbstferienstart führte uns schon zum zweiten Mal in diesem Jahr zu Fatma, die mit uns ihre Liebe zur türkischen Küche teilt.

Weil es draußen regnete, versammelten wir acht „Kochschüler*innen“ uns nicht, wie sonst üblich, vor der Haustür, sondern ich bat die nach und nach ankommenden Gäste, schon vorzugehen und wartete weiter draußen auf die anderen.

Fatma musste also ihre Tür für ganz unbekannte Menschen öffnen.

Als ich dann selbst bei ihr eintraf, begrüßte sie mich ganz aufgeregt, fremde, schöne Frauen und ein schöner Mann seien in ihrer Wohnung, ob das denn richtig sei?!? Sie fragte, wo denn die Kochreisenden der letzten Kochreise wären. Ich konnte ihr erklären, dass es in unserem Verein darum geht, immer neue Kontakte zu knüpfen, bestehende Kontakte auszubauen und so im ganz Kleinen für Frieden in der Welt einzustehen.

„Oh, interessant“, sagte Fatma, „Wie viele seid ihr denn?“ „Viele, du Liebe, viele, über 100!“ Oh, dann würde sie ja bald die nächste Reise anbieten, antwortete sie herzlich.

Auch auf dieser Reise lernte Fatma also neue Menschen kennen. Sofort in ihr Herz schloss sie Nair, fast 84 Jahre jung und voller Lebensfreude. Fatma konnte es kaum glauben, dass sich eine Frau aus Brasilien für ihre türkischen Rezepte interessierte! Als sie Nair mit ihrer Tochter sah, merkte sie plötzlich, wie sehr sie ihre eigene Mutter vermisst.

Wie es so im Leben ist, finden die besten Gespräche in der Küche statt. So erfuhren wir beim Schnippeln, Kneten und Rühren so Allerhand aus Fatmas Leben.

Fatma stammt aus der anatolischen Stadt Tokat, in der sie Informatik studierte und an einer Berufsschule unterrichtete.

Von dort brachte sie eine winzige Kupferpfanne mit, die vor sieben Jahren noch ins Gepäck passte. Tokat ist seit dem 19. Jahrhundert bekannt für seine Kupferschmiedekunst. Einer der Griffe ist schon abgebrochen, so lange begleitet das wichtige Pfännchen sie schon.

Wir schmolzen gestern Butter mit getrockneter Minze in ihr, das war das Topping für Fatmas Lieblingssuppe, Lebeniye, eine Joghurtsuppe.

Nebenan wurden von den anderen Reisenden fleißig kleine Fleischbällchen für diese köstliche, ganz sämige Suppe gerollt. Vielleicht wurde diese Suppe nur so cremig, weil sie so über eine Stunde hinweg umgerührt wurde? Schließlich ist kein Tropfen Sahne drin.

In der Küche wurden auch Pide hergestellt. Ja, Fatmas Mann hat ihr eine Küchenmaschine geschenkt, aber nein, den Teig für Pide knetet man am besten von Hand, da hat man ein besseres Gefühl für den Teig. Die Pide, „Schiffchen“ aus Hefeteig, füllten wir mit gestampften Kartoffeln und Reibekäse, sowie mit Spinat und Hüttenkäse und buken sie im Ofen, der die Küche erwärmte. „Wie in einer Fabrik!“, freute sich Fatma darüber, dass alle fleißigen Hände so flott arbeiteten.

Bei Fatma soll es in der Küche schnell vorangehen. War ich kurz nebenan, wo unser bunter Salat als Beilage entstand, holte Fatma mich direkt zurück: “Ina, kommen Sie, kommen Sie!“ Schließlich weiß sie, dass jeder Arbeitsschritt für die späteren Rezepte und Fotos, die alle Mitreisenden bekommen, wichtig sind.

Die Küchenmaschine fand auch noch ihren Einsatz, als Fatmas ältester Sohn Enes für uns ein feines Getränk aus Erdbeeren, Himbeeren und Blaubeeren mixte.

Wie immer war das gemeinsame Essen der hergestellten Speisen einfach nur schön und sogar die Sonne zeigte sich.

Bevor Fatma die Reisepässe stempelte, servierte sie uns noch heißen Tee und türkischen Nasskuchen, bei dem ein Glas des Teiges (noch ohne Mehl) nach dem Backen als Guss auf dem Kuchen verteilt wird… Hhmmmmmmm, hörte man aus allen Ecken, ….mit Sahne, …mit Eierlikör, …mit Vanilleeis, oder mit Vanillesoße!

Ich bin mir sicher, liebe Fatma, du hast uns alle inspiriert! Wir danken dir sehr für diesen schönen Nachmittag!

Afiyet olsun! Guten Appetit

(Text: Ina Bewermeier)

09/2026 Drei Männer und 18 Frauen aus aller Welt bringen Häppchen fürs Frühstück mit und genießen gemeinsam einen sonnigen Vormittag auf dem Parkdeck. Alte Freundschaften werden gepflegt und neue geknüpft.

09/2026 Diesmal waren wir auf unseren Weltreisen durch Küchen zu Gast bei Irlanda in Mexiko. Schon zum vierten Mal öffnete sie für den Verein „Weltreise durch Wohnzimmer“ ihre Tür: Einmal zum Dia de los muertos im November, einmal im Dezember, um mit uns zu Weihnachten in Rietberg mit Fackeln singend durch die Stadt zu ziehen und zweimal, um mit uns zu kochen. Irlanda wählt den Monat, in dem sie ihr Wohnzimmer oder ihre Küche öffnet immer sehr bewusst in Verbindung mit Traditionen ihres Herkunftslandes.

Der Monat September ist in Mexiko ein besonderer Monat, denn am 16.9. feiert man den wichtigsten nationalen Feiertag, den Unabhängigkeitstag. Es ist zwar schon viele Jahre her, dass Mexiko unabhängig wurde, aber in Mexiko wird alles intensiv mit Straßenparaden und Musik und Tanz gefeiert. „Wir lieben es, zu feiern!“ sagt Irlanda strahlend. Und von der Abhängigkeit von der spanischen Kolonialherrschaft zurück zu den indigenen Wurzeln zu kommen, ist allemal ein Grund zum Feiern!

Am 16.9. isst man traditionell Pozole, einen Mais-Eintopf. Es gibt ihn in den Farben rot (mit roten Chilis), grün (mit grünen Chilis und Kräutern) oder weiß.
Basis ist weißer Mais, der beim Kochen aufblüht wie eine Blüte einer Blume. Das sieht richtig schön aus! Dazu ergänzt man dann die anderen Nationalfarben, sodass auf dem Teller die Farben Rot, Weiß und Grün der mexikanischen Flagge erscheinen. Unsere rote Suppe ergänzten wir mit Radieschen, Salat und Zwiebeln.

Zur Vorspeise wollten wir eigentlich Tostadas essen, aber wir vergaßen sie im Ofen und sie wurden zu dunkel. Pannen passieren. So wie im wahren Leben!

Also gab es spontan Quesadillas: mit Zwiebeln, Pilzen und Käse gefüllte Tortillas aus dunklem Maismehl.

Irlandas Lieblingsfrucht ist die Mango. Unser Dessert war eine Torte mit drei verschiedenen Milchprodukten und Mango – „Tres leches de mango“.

Dann bereiteten wir selbst ein köstliches, für mich ganz neues Getränk zu: Kaktusfeigensaft.

Auch im arabischen Raum kennt man die Frucht gut, wie ich erfuhr. Irlanda zeigte uns, wie man sie schält. Es gibt Kaktusfeigen „Tunas“ wie Äpfel hierzulande in etwa 20 verschiedenen Sorten.

Irlanda ist ein wandelndes mexikanisches Lexikon und kennt die Kultur und die Geschichte ihres großen Heimatlandes so gut, was mich immer wieder beeindruckt. Sie teilt dieses Wissen herzlich gern beim Schnippeln, Kochen und gemeinsamen Essen.

Sie sagt, niemand koche so gut wie ihre Mutter. Früher durfte sie nie an den Topf. Sie durfte nur schnippeln oder die Tortillas pressen und backen. Irlandas Sohn genießt gerade Omas Küche und wird während eines Auslandssemesters in Mexiko verwöhnt.

Verwöhnt wurden wir auch noch am Tisch von Irlanda, die uns die Wahl zwischen Kaffee und Kakao ließ. Mexikanischer Kaffee wird ohne Milch getrunken, aber mit einer Zimtstange, Nelken, Anis und Orangenschalen gekocht.

Mexikanischer Kakao wurde bis zur Eroberung Mexikos durch die Spanier auch ohne Milch, dafür mit Wasser und Zimtstangen aufgekocht. Da wir uns alle für Kakao entschieden, gab es eine Kakao-Zeremonie für uns 13 Frauen.

Das Essen zeremoniell abzuhalten, ist Irlanda sehr wichtig. Vor jedem Essen dankt sie den Händen, die das Essen angebaut, hergestellt und zubereitet haben.

Da auch muslimische Frauen zu Gast waren, hat Irlanda übrigens alle Zutaten für das Menü halal eingekauft.

Irlandas Tochter spielte für uns Klavier, „Für Elise“ von Beethoven, während Irlanda unsere Reisepässe stempelte. Das war die Generalprobe vor Gästen, denn am Folgetag spielte sie auf einem Konzert.

Als Dankeschön haben wir für Irlanda Blümchen aus dem Garten dabei und eine Piñata, ein gebastelter Esel, der traditionell mit Süßigkeiten gefüllt wird. Eigentlich verschenkt man ihn zu Weihnachten, aber Irlanda sollte nun endlich mal zu dieser Gelegenheit eine Piñata für sich allein bekommen. Sie war zu Tränen gerührt, denn in ihrer Kindheit musste sie den Inhalt immer mit allen Geschwistern teilen. Als Erwachsene war es nun soweit! Sie nennt ihren Esel liebevoll Filomeno.

Herzlichst verabschiedet wurden wir von unserer Gastgeberin mit den Worten: “Ihr wisst ja jetzt, wo ihr klingeln müsst! Kommt einfach vorbei!“ Ist das nicht toll, wie herzlich sich vorher fremde Menschen nun verabschieden?

Irlanda, ich mag deine Küche mit den vielen, vielen Pflanzen! Es war so schön, bei typisch norddeutschem Wetter in deiner mexikanischen Küche Gast sein zu dürfen! Du hast uns allen die Sonne ins Herz gezaubert!

Danke für diese unvergessliche Reise!

(Text: Ina Bewermeier)

09/26 EINANDER ZUHÖREN  ist das Kernstück unserer interkulturellen Stammtische. Wir interessieren uns für das Leben der drei Menschen, die aus drei unterscheiden Kulturkreisen kommen und an unseren Vierertischen sitzen und erweitern dadurch unseren Horizont. Nach einer Stunde wechseln wir die Tische und lernen drei andere Menschen kennen. Wir lernen, wie z.B. Familie, Schule und traditionelle Feste in anderen Kulturen funktionieren. Wir können uns immer etwas voneinander abgucken und bekommen neue Ideen, was wir auch einmal ausprobieren könnten.

Vladyslav und Utku wurden bei diesem Treffen von Iris zu Interrail inspiriert.
Joseph und Catrin haben von Olesia das frühere ukrainischen Konzept kennengelernt, bei dem man nur drei Grundschuljahre hatte, die man bei Wunsch auf vier verlängern konnte. Es ist soooo spannend, voneinander zu lernen.

DANKE

09/26 Vladyslav hat uns in seine Wahlheimat Borgholzhausen eingeladen, um am vom BUNTEN TISCH organisierten Mitmachpicknick mit Theateraufführung teilzunehmen. Die dreiviertelstündige Anreise aus dem Süden in den Norden des Kreis Gütersloh hat sich absolut gelohnt.

Von den neun Schauspielenden waren vier obdachlos und fünf Mitarbeitende der Theaterwerkstatt Bethel in Bielefeld, denn Wohnungslosigkeit war das Thema des Stückes.

In kleinen Szenen wurde uns dargeboten, wie schnell man von jetzt auf gleich in der Obdachlosigkeit landen kann.

Als Bühne und Bühnenbild diente ein Monopolispielbrett, dessen Felder an das Leben von Obdachlosen angepasst war.

Das hat mich direkt zu neuen Projekten für unseren Verein inspiriert.

Es lohnt sich immer, mit netten Leuten seinen Horizont zu erweitern und das eigene Wohnzimmer zu verlassen. 😀

09/26 Heute haben wir damit begonnen, uns von unsere ersten zehn Lebensjahren zu erzählen. Da unsere siebenköpfige  Gesprächsrunde ihre Wurzeln in Deutschland, dem Irak und Somalia hatte, waren die Geschichten sehr unterschiedlich. Es ging um Lämmer hüten und Wölfe abwehren, die Koranschule, Hüpfekästchen und Gummitwist.

In unseren Erzählungen ging es um Freundschaften, Schwimmbadbesuche, Tanzkurs, Abitur und Berufswünsche.

Dann waren die zwei Stunden um, aber zum Glück hat unser Leben noch ein paar mehr Jahrzehnte zu bieten. Da knüpfen wir dann im Oktober an.

Danke fürs Mitmachen. 🤗

09/2026 Passend zu unserem einjährigen Jubiläum unseres Angebots „Weltreisen durch Küchen“ haben wir mit dem Zug einen gemeinsamen Ausflug nach Herne ins LWL Museum in die Ausstellung „Mahlzeit“ unternommen.

08/2026 Kurz vor den Sommerferien hat mein dreimonatiges Praktikum im Verein Weltreise durch Wohnzimmer e.V. geendet und ich möchte euch erzählen, wie es war.

Jede Woche habe ich mich 20 Stunden mit dem Verein beschäftigt, beziehungsweise mich für den Verein engagiert.

Um unseren Verein im Programm „Deutsch im Dialog“ der Bürgerstiftung Gütersloh, das wöchentlich in der Gütersloher Stadtbibliothek stattfindet, vorzustellen, habe ich den Flyer, den ihr oben seht, erstellt. Mir hat es sehr gefallen, mir das Design auszudenken und zu entscheiden, was wo auf dem Flyer steht.

Regelmäßig habe ich an den interkulturellen Stammtischen teilgenommen, was ich auch nach meinem Praktikum weiterhin tun werde.

Eine größere Aufgabe war für mich im Mai das internationale Kulturfest vor dem Rathaus in Rheda. Es hat viel Spaß gemacht, unseren Verein dort zu repräsentieren, ein Quiz mit den Gästen zu spielen, sie zu animieren, ein Porträt von sich zu zeichnen, Fingerfood aus unserer Community zu verkaufen sowie mit Aktiven des Vereins und Interessierten ins Gespräch zu kommen.

Etwas aufregend war es für mich, den Vereinsausflug nach Herne in die Ausstellung „Mahlzeit“ gemeinsam mit Ruwaida vorzubereiten.

Ich kann ein Praktikum beim Verein Weltreise durch Wohnzimmer sehr empfehlen, da ich dadurch routinierter im Umgang mit Deutschen und Menschen aus aller Welt geworden bin und nun erste Erfahrungen in einem deutschen Betrieb gesammelt habe.

Cool ist, dass ich direkt im Abschluss an das Praktikum eine Weiterbildung im Bereich Buchhaltung beginne. Somit habe ich keinen Leerlauf in meinem Lebenslauf. Mein B2 Berufssprachkurs, das Praktikum und die Weiterbildung gehen nahtlos ineinander über.

Danke für diese gute Erfahrung. 😀

Anzhela

 

  1. 08/2026 Nair war selbst schon zu Gast auf zwei Weltreisen durch Küchen und für sie stand schnell fest, dass sie selbst auch mal eine Kochreise anbieten möchte. Sie wusste auch bereits ganz genau, dass sie viele Reisende einladen und mit ihnen im Sommer im Garten unter ihrem Kirschbaum, wie mit einer großen Familie an einer langen Tafel, brasilianisch essen wollen würde. Ein klares Bild vor Augen ist so wunderbar!

Genauso schnell war auch das Menü geplant: ein ganz typisches traditionelles Familienessen und dazu verschiedene, süße Desserts, die man auch zu ganz besonderen Anlässen in Brasilien anbietet: Mandioca (Pommes aus der Maniokwurzel), Vinagrete (Salat), Arroz (Reis), Feijoada (ein Bohnengericht), Farofa (Streusel aus Maniokmehl), Bolo de Fubá (ein Kokos-Maismehl-Kuchen), Brigadeiros (Rumkugeln ohne Rum) und Cajú (kleine Süßigkeiten aus Cashewnüssen).

So reisten wir 14 Kochbegeisterten mit Messer und Schneidebrett „im Koffer“ an und wurden bereits herzlichst mit angenehmer Musik, brasilianischen Flaggen, Fußballtrikots und Fähnchen empfangen. Selbst die Ohrringe waren brasilianisch! Und eine Landkarte wehte an der Wäscheleine. Wir waren sofort in Nairs Welt angekommen!

Wie auf jeder Kochreise lernen wir unsere Gastgeber zunächst etwas kennen. So berichtete Nair von ihrer Geburtsstadt São Paulo mit über 20 Millionen Einwohnern und den vielen Einflüssen der ganzen Welt, was sich von anderen Regionen Brasiliens unterscheidet, die rein europäisch, oder aber afro-brasilianisch oder auch indigen geprägt sind.

Wir erfuhren von Nairs Elternhaus, dem Vater, einem syrisch-libanesischen Geflüchteten und der brasilianischen Mutter, die die Familie verließ. Von einem deutsch-österreichischen Paar, Freunde des Vaters, die Nair mit vier Jahren mitnahmen und dass sie von ihrem Bruder getrennt wurde. Von aufrichtiger Liebe der Pflegeeltern und doch des Andersseins durch Haufarbe und Sprache und den zu großen Veränderungen.

Von arabischen Süßigkeiten des Vaters, an die sie sich noch erinnern kann. Nair sprach von einer Generation, die nicht fragte und keine Antwort gab.

Sie erzählte uns von ihrer großen Liebe des Lebens, die sie in einem deutsch-jugoslawischen Mann fand und mit dem sie nicht nur wieder nach Brasilien auswanderte, sondern auch drei wunderbare Kinder bekam.

Nach dem Verlust des Mannes kam Nair zurück nach Deutschland. Seit dem Tod des Sohnes rücken Nair und ihre beiden Töchter Carin und Cladis noch enger zusammen und beide halfen Nair an diesem aufregenden Tag der Weltreise durch Küchen.

In verschiedenen Gruppen entstanden ruckzuck draußen unter dem Kirschbaum, auf der Terrasse und in der Küche alle Gerichte für unser Menü.

Das gemeinsame Essen an der langen Tafel unter dem Kirschbaum war einmalig schön, bunt und voller Gespräche und Genuss.

Und als die Bohnen dann genau so authentisch brasilianisch schmeckten wie in Brasilien, waren alle noch glücklicher als vorher, denn unsere Brasilien-erfahrenen Reisenden erinnerten sich sofort über den Geschmack auf der Zunge.

Am Ende der Reise zeigte uns Nair noch Familienfotos, die sie hütet wie ihren größten Schatz. Das älteste Bild stammte von 1925.

Wir durften mit Nair eine fast 84jährige Frau kennenlernen, die uns mitnahm in ihr ganzes Leben. Wenn jeder Riss, Schmerz und Verlust in ihrem Herzen mit Gold geklebt worden wäre, hätte Nair ein Herz aus Gold! Mich persönlich erinnerten Nairs sanfte Augen an die Augen meiner Oma, was mich bis jetzt sehr berührt.

Nair ließ uns teilhaben an ihrer Lebensfreude und Begeisterung für das Leben. Am Ende wollte niemand so recht nach Hause reisen.

Danke für das Gefühl, so willkommen gewesen zu sein, liebe Nair! Das Essen war köstlich!!

(Text: Ina Bewermeier)

07/2026 Genau vor einem Jahr fand unsere erste Kochreise statt. Seitdem reisen wir nahezu monatlich in verschiedene Küchen der Welt. Diesmal besuchten wir Fatma, die seit sieben Jahren mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in Deutschland lebt.

Ihre Großeltern stammen aus Griechenland, wanderten dann in die Türkei aus, wo dann auch Fatma geboren wurde. Sie lebte zwischenzeitlich auch mehrere Jahre lang in Turkmenistan. All diese Einflüsse spiegeln sich natürlich in ihrer Kochkunst wider .

Als Fatma gefragt wurde, was sie am liebsten zukünftig beruflich in Deutschland machen würde, antwortete sie spontan „Bäckerin!“, denn sie kocht und backt leidenschaftlich gern.

Eigentlich war Fatma langjährige Berufsschullehrerin für Informatik und wollte ihren Beruf hier weiter ausüben; leider wurde dieser nicht anerkannt. Bäckerin wurde sie nicht. Nach guter Überlegung weiß sie, dass sie nun bei ihrer Ausbildung zur Erzieherin genau richtig ist.

So machten wir sechs Frauen aus Deutschland, Mexiko, dem Iran und dem Irak uns mit Messer, Schneidebrett und Nudelholz auf den Weg, um die türkische Küche von Fatma kennenzulernen.

Bereits nach wenigen Minuten des Schnippelns von Zwiebeln, Tomaten, Paprika und Knoblauch fühlte es sich an, als würden wir uns nicht erst seit Minuten, sondern schon ewig kennen. Ein lebendiges, fröhliches Geplaudere über Familiengeschichten und all unsere verschiedenen Wurzeln erfüllte die Küche.

Unter Fatmas exakten, klaren Anweisungen und ihrem strengen und gleichzeitig liebevollen Blick entstanden immer schönere, rundere Lahmaçun. Fatma nahm auch kein Blatt vor den Mund, wenn ihr nicht gefiel, was passierte. So war entweder der Teig nicht hauchdünn ausgerollt oder wir vergaßen das allererste Lahmaçun im Ofen. Oder es ging nicht flott genug.

„Çabuk, çabuk!“ „Schnell, schnell, wir sind hier in der Küche, das muss schnell gehen!“ Herrlich! Alle Köchinnen gaben ihr Bestes. Und unter ausgelassenem Gekichere und viel Freude am Lernen entstanden ruckzuck ein Berg Lahmaçun, eine Salatplatte und Ayran, ein erfrischendes Joghurtgetränk. Köstlich!

Und was sagte Fatma am Ende? „Ich hab ja nichts gemacht, das haben wir ja alle schnell zusammen gemacht!“ 1000 Dank für diesen wunderschönen Nachmittag! Guten Appetit und afiyet olsun

(Text: Ina Bewermeier)

07/2026 Jeden dritten Donnerstag im Monat  treffen wir uns im Café Sonnenburg in Gütersloh von 19-21 Uhr, sitzen an Vierertischen mit Menschen aus drei anderen Kulturen zusammen (wobei eine Person Deutsch als Muttersprache hat) und unterhalten uns auf Deutsch über immer wechselnde  Themen wie z.B. “Wie hast du die Sommerferien in deiner Kindheit verbracht?”, “Was ist dein größtes Talent?”, “Was ist dein liebstes Fest?”…

07/2026 Auf einem internationalen Kulturfest nur Gäste zu sein und keinen eigenen Stand zu haben, macht auch Spaß. Wir waren zwölf Personen aus der Weltreise durch Wohnzimmer Community und haben Leita, Stella und Phocas getroffen. Wir haben uns sehr über das Wiedersehen gefreut.