„Warum gibt es nie Reisen in deutsche Wohnzimmer?“ wurde ich schon öfter gefragt. Nur, weil man in Deutschland lebt, hat man noch lange keine Einladungen zu Deutschen. Diese Frage habe ich gern zum Anlass genommen, zu mir einzuladen (per Zoom – coraonabedingt). Seit dem Entschluss, selber Reiseleiterin zu sein, kann ich mich noch besser in die Situation einer Weltreise durch Wohnzimmer-Reiseleiterin einfühlen.

Als erstes wird ein Reisetermin festgelegt und dann überlegt, was ich mit meinen Gästen kochen könnte. Was würde ihnen wohl schmecken? Was ist typisch deutsch? Habe ich ein traditionelles Familienrezept? Ich habe mich für unser Familienrezept „Mandarinenquartorte“ entschieden. Werden die zwei Stunden reichen, um die Torte zu backen und dann gemeinsam zu essen und nebenbei auch noch genug aus meinem Leben zu erzählen? Sicherheitshalber habe ich mit der Stoppuhr Probe gebacken. Ich habe 20 Minuten für den Boden gebraucht, 20 Minuten fürs Herstellen der Füllung und 9 Minuten fürs Füllen und Dekorieren der Torte = 49 Minuten. Dann habe ich noch mehr als eine Stunde zum Erzählen. Das müsste passen.

Als nächstes habe ich Fotos aus meinem Leben herausgesucht. Fotos von Familienfesten. Meine Taufe, Konfirmation und Hochzeit. Ostern, Weihnachten. Erster Schultag, Urlaub, Hobbies, Kinderkarneval, Kindergeburtstag. Es war ein komisches Gefühl, mein ganzes Leben Revue passieren zu lassen und immer zu überlegen „Wird es die Reisenden wohl interessieren?“.

Außerdem habe ich ein paar Fotos von Hameln, meiner Geburtsstadt herausgesucht um den Reisenden die Rattenfängersage zu erzählen. So viel Zeit muss sein. 🙂

14 Reisende haben sich dann per Zoom dazugeschaltet. Die Reisegruppe kam aus dem Irak, dem Iran, der Türkei, Afgahanistan, Nigeria, Burkina Faso, Guinea, Eritrea, El Salvador, China, Deutschland und England. Neun davon haben mitgebacken. Die anderen hatten entweder keinen Ofen, keinen Mixer oder eine Allergie. Sie haben sich dann nur die Fotos angeschaut und den Erzählungen gelauscht.

Zum Schluss haben wir dann den Kuchen gemeinsam gegessen und ich war ganz gespannt, ob es allen schmeckt.

Besonders hat mich gefreut, dass Zhi aus China sehr glücklich und stolz war, dass sie mit uns ihre erste deutsche Torte gebacken hat, die gelungen ist.

Ich freue mich, dass ich jetzt nicht nur die Erfinderin der Weltreise durch Wohnzimmer bin, sondern nun auch zum Kreis der Reiseleiter und Reiseleiterinnen gehöre. 🙂

Vielen Dank an alle, die sich für mich und mein Leben interessiert haben.

Catrin

Das erste Mal, dass drei Freundinnen gemeinsam Reiseleiterinnen waren. Lilo, Florence und Donata kommen aus Kenia und haben sich erst in Hamburg kennengelernt. Florence kommt aus Kisumu am Victoriasee, Donata aus Mombasa am Indischen Ozean und Lilo aus Kenias Hauptstadt Nairobi. Lilo und Florence kennen sich schon 10 Jahre und Donata hat die beiden vor 5  Jahren zum ersten Mal getroffen. Inzwischen sind sie Geschäftsparterinnen geworden. Florence ist Modedesignerin und Donata bietet afrikanische Desingermode auf der Website www.afroschick.de an. Alle zusammen organisieren auch gerne Musikevents von afrikanischen Bands und sorgen dafür, dass alles reibungslos läuft.

Durch den Hamburger Verein „Miteinander in Bergedorf e.V.“ ist der Kontakt zu uns entstanden. Darüber sind wir sehr glücklich.

Diese Reise fand digital statt. Also standen die drei Freundinnen in Hamburg am Laptop und die 12 Reisenden waren per Zoom aus Kenia, dem Sauerland, dem Odenwald, Ostwestfalen und Hamburg dazugeschaltet.

Erst haben wir uns gemeinsam die Kenia-Landkarte angeschaut, um uns zu orientieren, wo die Gastgeberinnen genau herkommen.

Danach durften wir ein paar Familienfotos von Florence sehen und sie hat uns von ihrer Familie erzählt. Ihre Schwester und ihr Bruder aus Kenia waren zu uns dazugeschaltet.

Dann haben wir nach den Anweisungen unserer Reiseleiterinnen das Gericht „Ugali Nyama Cabbage“ zubereitet.

Jeder hat in seiner Küche Gemüse gewaschen, geschnippelt und gegart. Dazu gab es Grießbrei.

Beim Schnippeln des Gemüses haben wir ab und zu ein Foto der Freundinnen beim Einsatz auf ihren Events angeschaut.

Die Zeit verging wie im Flug.

Nach knapp einer Stunde und 45 Minuten haben wir gemeinsam gegessen. Jeder in seiner Küche und haben uns gefreut, 2 Stunden mit so tollen Frauen erleben zu dürfen.

1000 Dank für eure Offenheit und Gastfreundschaft. Alles Gute für euch privat und geschäftlich!

 

Buschtrommeln sind zu hören, ein Lagerfeuer brennt. Im Bach liegen gekühlte Getränke. Die geschnitzte Holzmaske hängt am Haus zur Beschwörung böser Geister und der Erinnerung an Ahnen, drei Erdmännchen aus Holz schauen uns aufmerksam an.

 

Wo wir sind? Nicht in Namibia, sondern in einem Garten in Oberzent. Dort wohnt Eva, die zusammen mit der Ehrenamtsagentur des Odenwaldkreises eine „Weltreise durch Wohnzimmer“ (wegen Corona im Garten) veranstaltet hat und von ihren Gästen nur beim Vornamen genannt wird. Bei der „Weltreise durch Wohnzimmer“ öffnen Menschen, die nicht in Deutschland geboren sind, für zwei Stunden ihr Wohnzimmer/ihren Garten, um von sich, ihren Familien und ihrem Herkunftsland zu berichten.

 

Die 15 Gäste, die sich bei Eva eingefunden haben, werden mit „Biltong“ (getrocknetem Fleisch), „Droe’Wors“ (Trockenwurst), „Windhoek“ Lager-Bier, Cider und einem namibianischen Rock-Shandy (Cocktail) herzlich willkommen geheißen – und mit den Worten „Where do you come from – Germany? Dann können wir ja auch Deutsch reden.“

 

Die 62-jährige Gastgeberin hat viel zu erzählen. Ihr Opa kam als Soldat 1903 in die Kolonie Deutsch-Südwest-Afrika. Die Schutztruppe hatte die Aufgabe, die damaligen kolonialen Interessen durchzusetzen. Der Vater war Bohrmeister und half erfolgreich mit der Wünschelrute bei der Wassersuche und Brunnenbohrung in dem trockenen Land. Die kleine Eva lernte, weil sie manchmal mit zur Arbeit durfte, schon als Kind das eindrucksvolle Land kennen. Es folgte nach dem Besuch der deutschen Schule ein Studium in Südafrika, da in Namibia noch keine Universitäten waren, die Familiengründung und die Geburt zweier Söhne.

 

Ein einschneidendes Erlebnis änderte ihr Leben: Bei einem Stau auf der Autobahn blickte sie plötzlich einer Pistole in den Lauf. Die Apartheid forderte ihren Tribut, wobei es auch zu gewaltsamen Unruhen und Übergriffen kam. Zum Glück löste sich der Stau auf und so konnte sie entfliehen. Dieses Ereignis setzte sich jedoch bei ihr fest und die damalige Anstellung bei der Firma SAP-Johannesburg ermöglichte es ihr, mit der ersten „Greencard“ als IT-Fachfrau nach Deutschland zu kommen. Seit 2008 wohnt sie nun im eigenen Häuschen in einem Stadtteil von Oberzent.

 

Mit kleinen Anekdoten, Bildern und einem Buschmann-Fondue lernten die Gäste bei dieser „Weltreise durch Wohnzimmer“ viel über Land und Leute aus erster Hand. Auch dass es wichtig ist, seine Wurzeln zu behalten, denn in Evas Brust schlagen zwei Herzen: eines für die alte und eines für die neue Heimat und beide sollen ihren Platz behalten. Eva zitiert ein altes Gedicht: „,Man kann Afrika nicht verlassen‘, sagte Afrika, ,meine Flüsse laufen in Strömen im Wirbel Deiner Daumenabdrücke, meine Trommeln trommeln Deinen Puls, meine Küste widerspiegelt die Silhouette Deiner Seele.‘“

 

Aus den ursprünglich angesetzten zwei Stunden wurden mehr als drei und beim Abschied bekam jeder der nachhaltig beeindruckten Gäste noch einen Stempel sowie eine Widmung in den Weltreisepass: „Wende Dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter Dich.“

 

Die nächste Reise führt am Donnerstag, 29. September 2020, 18:00 Uhr, nach Israel und zwar dieses Mal online am PC, Laptop, Tablet oder Handy. Anmeldungen und Anleitung dazu sind ab sofort unter ehrenamt@odenwaldkreis.de oder telefonisch bei der Ehrenamtsagentur unter 06062 70-127 möglich. Informationen zur „Weltreise durch Wohnzimmer“ stehen auf der Internetseite des Kreises www.odenwaldkreis.de unter dem Stichwort „Leben im Odenwaldkreis“ und dem Unterpunkt „Ehrenamt / Vereine“.

(Bericht und Foto: Ehrenamtsagentur Odenwaldkreis)

Nach ein paar Monaten in Corona-Schockstarre trauen wir uns jetzt, unser Programm durch eine digitale Variante zu erweitern. Digitale Wohnzimmerreisen können zwar nicht die echte nahe Begegnung der ursprünglichen Weltreisen durch Wohnzimmer ersetzen, aber sie bieten Vorteile, die die Ursprungsform nicht hat:

 

– Es kann live ins Heimatland geschaltet werden und die Familie der Reiseleiter*innen führt durch die Wohnung im Ursprungsland.

– Es kann während der Reise gemeinsam gekocht und gegessen werden (die Zutatenliste wird bei der Reiseanmeldung zugeschickt).

– Eltern/ Alleinerziehende können reisen, ohne die Kinder aus den Augen zu lassen.

– Menschen mit Gehbehinderungen können Wohnzimmer erreichen, die sonst unerreichbar wären.

– Man kann sich mit Freunden und Verwandten, die man nicht persönlich treffen kann (weil sie in einer anderen Stadt oder sogar in einem anderen Land wohnen), zur Wohnzimmerreise verabreden und ein gemeinsames Reiseerlebnis haben.

 

Wie wäre es, wenn wir alle Länder der Welt digital bereisen?

Das heißt, Menschen die im Ausland geboren sind, öffnen ihr Wohnzimmer in Deutschland oder Menschen öffnen direkt ihr Wohnzimmer im Ausland und erzählen uns ihre Geschichte und kochen mit den Reisenden gemeinsam.

Bitte helfen Sie uns, Reiseleiter zu finden, die für zwei Stunden ihr Wohnzimmer öffnen, von sich, ihrer Familie und ihrem Land erzählen und dabei mit uns kochen. Und reisen Sie mit.

Diese 196 Länder gilt es digital zu bereisen (In 14 Ländern (29 Reisen) davon hat bisher schon die digitale Weltreise durch Wohnzimmer stattgefunden. Wenn ein Land mehrmals digital bereist wurde, steht jeweils das erste Reisedatum hinter dem Land.) (Stand 31.12.2020):

Afghanistan – geplant für Februar 2021

Ägypten

Albanien

Algerien

Andorra

Angola

Antigua und Barbuda

Äquatorialguinea

Argentinien – geplant für September 2021

Armenien

Aserbaidschan

Äthiopien

Australien

Bahamas

Bahrain

Bangladesch

Barbados

Belgien

Belize

Benin

Bhutan

Bolivien – geplant für Juni 2021

Bosnien und Herzegowina

Botswana

Brasilien – 12.7.2020

Brunei

Bulgarien

Burkina Faso – 11.7.2020

Burundi

Cap Verde

Chile

China

Cookinseln

Costa Rica

Dänemark

Deutschland – 14.5.2020

Dominica

DominikanischeRepublik

Dschibuti

Ecuador

Elfenbeinküste

El Salvador

England – 17.9.2020

Eritrea

Estland

Eswatini

Fidschi

Finnland

Frankreich – 23.4.2020

Gabun

Georgien

Ghana

Grenada

Griechenland

Großbritannien

Guatemala

Guinea

Guinea-Bissau

Guyana

Haiti

Honduras

Indien – 18.6.2020

Indonesien – 4.7.2020

Irak

Iran – 12.6.2020

Irland

Island

Israel – 29.9.2020

Italien

Jamaika

Japan

Jemen

Jordanien

Kambodscha

Kamerun

Kanada

Kasachstan

Katar

Kenia – 22.8.2020

Kirgisistan

Kiribati

Kolumbien

Komoren

Kongo

Korea (Nord- und Süd-)

Kosovo

Kroatien

Kuba

Kuwait

Laos

Lesotho

Lettland

Libanon

Liberia

Libyen

Liechtenstein

Litauen

Luxemburg

Madagaskar

Malawi

Malaysia

Malediven

Mali

Malta

Marokko

Marshallinseln

Mauretanien

Mauritius

Mexiko

Mikronesien

Moldau

Monaco

Mongolei

Montenegro

Mosambik

Myanmar

Namibia

Nauru

Nepal

Neuseeland

Nicaragua

Niederlande

Niger

Nigeria – 8.7.2020

Nordmazedonien

Norwegen – 28.5.2020

Oman

Österreich

Pakistan

Palau

Panama

Papua-Neuguinea

Paraguay

Peru

Philippinen

Polen

Portugal – geplant für April 2021

Ruanda

Rumänien – geplant für Mai 2021

Russland – 16.7.2020

Salomonen

Sambia

Samoa

San Marino

Sao Tomé und Príncipe

Saudi-Arabien

Schweden

Schweiz

Senegal

Serbien

Seychellen

Sierra Leone

Simbabwe

Singapur

Slowakei

Slowenien

Somalia

Spanien – geplant für März 2021

Sri Lanka

St. Kitts und Nevis

St. Lucia

St. Vincent und die Grenadinen

Südafrika

Sudan

Südsudan

Suriname

Syrien

Tadschikistan

Taiwan

Tansania

Thailand – geplant für März 2021

Timor-Leste

Togo

Tonga

Trinidad und Tobago

Tschad

Tschechische Republik

Tunesien

Türkei – 7.11.2020

Turkmenistan

Tuvalu

Uganda

Ukraine – 30.4.2020

Ungarn

Uruguay

USA – 9.12.2020

Usbekistan

Vanuatu

Vatikanstadt

Venezuela

Vereinigte Arabische Emirate

Vietnam

Weißrussland

Zentralafrikanische Republik

Zypern

Zum zweiten Mal helfen wir bei der Vesperkirche. Essensbestellungen aufnehmen, Essen auffüllen, Essen servieren, Tische abräumen und den Gästen mit unserem Service den Tag versüßen. „Gemeinsam. Verschieden. Zusammen.“ ist auch dieses Jahr das Motto der Vesperkirche. Mit der Einteilung in die Gruppen Besteller, Läufer, Essenausgeber, Dirty Corner und Springer beginnt das gemeinsame ehrenamtliche Engagement von 43 Menschen aus dem Kreis Gütersloh, die mit ihrer Zeit und ihrem Engagement die Vesperkirche unterstützen. Der Verein Weltreise durch Wohnzimmer war zu zwölft vertreten: Menschen gebürtig aus Deutschland, Ecuador, dem Irak, Peru, Spanien, Syrien und der Ukraine gaben alles für den guten Zweck. 150 Essen haben wir um 12 Uhr ausgegeben, dann kam ein fünfminütiger Impuls (an diesem Tag von Wolfgang Sieveking zum Thema Lebensmittelverschwendung) bevor die zweiten 150 Essen ausgegeben wurden. Im Anschluss hat Maja Gehring für alle 20 Minuten Mozart am Klavier geboten, bevor wir die Tische abgewischt und das Besteck für die nächste Vesperkirche eingewickelt haben. Alle Helfer trafen sich dann zum Abschlussritual am Altar, bekamen eine Vesperkirchenpraline (gesponsort von der Konditorei Fritzenkötter) und den Schlusssegen:

Keinen Tag soll es geben, an dem du sagen musst, niemand ist da, der mich hört.

Keinen Tag soll es geben, an dem du sagen musst, niemand ist da, der mich schützt.

Keinen Tag soll es geben, an dem du sagen musst, niemand ist da, der mir hilft.

Keinen Tag soll es geben, an dem du sagen musst, ich halte es nicht mehr aus.

 

Gerne engagieren wir uns 2021 wieder für die Vesperkirche.

 

Die Freiwilligen für heute

 

Unser heutiges Essen

 

Zakaria beim Mitgestalten der Vesperkirchen-Schale

 

Patricia und Jacinto bei der Essensausgabe

 

Der Fiat 500 steht in der Einfahrt, der erste Besucher ist mit einer Vespa gekommen. Im Haus riecht es nach frischgemahlenem Espresso, die gefüllten Amalfi-Zitronen mit dem Spezialrezept stehen bereit, im Backofen wartet ein besonderes Pizzabrot. Wo sind wir? Nicht an der Amalfi-Küste, sondern in einem gemütlichen Wohnzimmer in Michelstadt. Dort wohnt Raffaela, die zusammen mit der Ehrenamtsagentur des Odenwaldkreises die erste „Weltreise durch Wohnzimmer“ veranstaltet hat und von ihren Gästen nur beim Vornamen genannt werden möchte.

Bei der „Weltreise durch Wohnzimmer“ öffnen Menschen, die nicht in Deutschland geboren sind, für zwei Stunden ihr Wohnzimmer, um von sich, ihren Familien und ihrem Herkunftsland zu erzählen.

Die zwölf Gäste, die sich eingefunden haben, werden mit einem italienischen Aperitif herzlich willkommen geheißen. Im Türdurchgang steht auf Italienisch: „Jede Reise erlebt man drei Mal: beim Erträumen, beim Erleben und in der Erinnerung“. Und etliche Erinnerungen wurden wach im „Casa Raffaela“. Die 62-jährige Gastgeberin hat viel zu erzählen: von ihrem Land, ihrer persönlichen Geschichte und ihrem Weg nach Deutschland. Sie kam 1967 mit zehn Jahren mit ihrer Schwester aus Maiori an der Amalfiküste zu ihrem Vater nach Höchst im Odenwald.

Er gehörte zur ersten Gastarbeitergeneration aus Italien, verdiente Geld und half, die schnell wachsende Wirtschaft in Deutschland aufzubauen. „Wir bleiben nur für zwei Jahre“, war die Ansage. Die kleine Raffaella musste sich, ohne ein Wort Deutsch zu verstehen, in ihrer neuen fremden Welt zurechtfinden. Deutsch lernte sie ohne besondere Sprachkurse mühsam in der Schule und spielend leicht beim Wandern, denn die nette Nachbarin schenkte ihr Kniebundhosen, Strümpfe und nahm sie mit auf die Wanderungen des Odenwaldklubs.

Mit solchen kleinen Anekdoten, Bildern und kulinarischen „Großartig-Kleinigkeiten“ lernten die Gäste bei dieser „Weltreise durch Wohnzimmer“ viel über Land und Leute aus erster Hand. Auch dass es wichtig ist, seine Wurzeln zu behalten, denn in Raffaellas Brust schlagen zwei Herzen: eines für die alte und eines für die neue Heimat und beide sollen ihren Platz behalten. Die Gäste erfuhren auch typische Eigenheiten der Kulturen und was Deutschland in 70 Jahren aus Italien für sich mitgenommen hat. Zum Beispiel sind das Leben auf den Straßen und Plätzen, die Mode, der caffè (Espresso) und viele andere Leckereien nicht mehr wegzudenken.

Aus den ursprünglich angesetzten zwei Stunden wurden drei und beim Abschied wurde sich, ganz italienisch, herzlich gedrückt und nicht förmlich die Hand geschüttelt. Ein Gast befand: „semplicemente fantastico“ – einfach fantastisch.

(Bericht von der Ehrenamtsagentur des Odenwaldkreises)

 

 

 

 

 

 

 

Zum zweiten Mal haben sich ReiseleiterInnen und Reisende in der Event-Küche La Cucina in Rheda-Wiedenbrück getroffen, um gemeinsam zu kochen. 30 Erwachsene und 10 Kinder aus 13 Nationen (China, Deutschland, der Dominikanischen Republik, Indien, dem Irak, Kuba, den Niederlanden, Peru, Ruanda, Rumänien, Russland, Syrien und der Ukraine) haben von 15 Uhr bis 22 Uhr Zeit miteinander verbracht, um miteinander zu kochen, ins Gespräch zu kommen, Freundschaften zu vertiefen oder aufzubauen, zu essen und dann die Rezepte auszutauschen. Auf dem Menüplan standen:

Vorspeisen

Ruanda: Chiapati

Irak: Koutelek (Grießteigtaschen) mit Möhren und Spinat

Niederlande: Senfsuppe

Indien: Batata Wada (Kartoffelbällchen mit Koriander-Minzsoße)

Syrien: Taboulé (Petersiliensalat)

 

Hauptgerichte

Syrien: Teigtaschen mit Hackfleisch mit Joghurt

Deutschland: Püfferchen mit Rübenkraut

Russland: Pelmeni (Teigtaschen mit Hackfleisch)

China: gebratener Reis

Dominikanische Republik und Kuba: Reis mit schwarzen Bohnen und frittierte Bananen

Deutschland: Rosenkohlauflauf

Peru: Guiso de Garbanzos (Kichererbseneintopf)

 

Nachspeisen

England: Applecrumble mit Vanillesoße

Deutschland: Westfälische Quarkspeise mit Pumpernickel

Niederlande: Olibollen (Krapfen)

Deutschland: Beerentraum

 

Es hat viel Spaß gemacht und die Gerichte waren sehr lecker. Eine Neuauflage dieses Kochevents in 2021 ist sehr wahrscheinlich.

 

 

 

  

 

  

 

  

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zum Jahresauftakt zeigen wir 30 Fotos unserer 60 x 40 cm großen Weltreise durch Wohnzimmer Fotos in der Kassenhalle der Kreissparkasse Halle/ Westfalen. Die Vhs Ravensberg hat uns anlässlich des Semesterauftaktes eingeladen, die Weltreise durch Wohnzimmer öffentlich bis zum 29.1.2020 zu präsentieren. Es handelt sich um eine Wanderausstellung, die wir gerne auch in andere Städte in zwei großen Aluboxen auf Rädern schicken. Auf den Fotos sind Wohnzimmerreisen nach China, in die Niederlande, nach Peru, in die Ukraine, nach Frankreich und Rumänien zu sehen. Fragen Sie uns einfach an, wenn Sie die Ausstellung in Ihrer Stadt zeigen möchten.

Kurz vor dem Jahresende hat Patricia ein Treffen im griechischen Restaurant vereinbart, um sich näher kennenzulernen und die Weltreise durch Wohnzimmer bekannter zu machen. Inzwischen haben Wohnzimmerreisen schon in  98 unterschiedlichen Städten stattgefunden. Auf dem Foto sind potenzielle Reiseleiterinnen aus den Niederlanden, Ecuador, der Dominikanischen Republik und Kuba, die sich vorstellen können, auch einmal in ihr Wohnzimmer einzuladen und von sich und ihren Herkunftsländern zu berichten.

Anlässlich der Woche des bürgerschaftlichen Engagements im September haben drei Reiseleiterinnen und drei Reiseleiter ihre Wohnzimmer im Kreis Gütersloh geöffnet. Daraufhin haben sich am 27. Oktober 2019 alle Beteiligten (Reisende und ReiseleiterInnen) zum Austausch Ihrer Reiseerlebnisse beim Frühstück in dem integrativen Café Anker Villa in Rheda-Wiedenbrück getroffen. Alle TeilnehmerInnen saßen an 4er bis 6er Tischen und kamen aus 20 verschiedenen Ländern: China, Deutschland, Ecuador, El Salvador, England, Frankreich, Guinea, Irak, Iran, Niederlande, Peru, Uganda, Rumänien, Russland, Spanien, Syrien, Türkei, Ukraine, USA und Venezuela. Die Tischordnung war so gewählt, dass alle an diesem Vormittag neue Menschen kennengelernt haben und ihr persönliches Netzwerk vergrößert und bereichert haben. Vor dem Verabschieden nach drei Stunden wurden fleißig Handynummern ausgetauscht, um weiterhin in Kontakt zu bleiben.

Liebe Dr. Buhmann Stiftung, wir danken Ihnen von Herzen, dass Sie den Austausch über die Weltreisen durch Wohnzimmer hinaus in diesem Rahmen ermöglicht haben. An der heiteren Atmosphäre und den angeregten Gesprächen an den Tischen war gut zu erkennen, wie sehr alle Betieligten die gemeinsame Zeit miteinander genossen haben.

9/2019

Wir merkten sofort bei der Begrüßung im Treppenhaus, wie sehr sich Zülfiyya über die 13köpfige Reisegruppe freut. Eigentlich war die Gruppe einen Hauch zu groß für ihr Wohnzimmer, aber Zülfiyya ist der Meinung, dass beim Empfang von Gästen die Größe des Herzens entscheidender ist, als die Größe des Wohnzimmers. Wie wahr!

Sie erarbeitet sich so nach und nach ihren Lebensweg in Deutschland. Grundsätzlich gefällt es ihr hier gut, aber der Umgang der Familien mit ihren Eltern bzw. Großeltern im hohen Alter schockiert sie stark. Sie hat den Vater eines deutschen Freundes oft hier im Altersheim besucht und kann sich nicht mit der Existenz von Altersheimen anfreunden.  In Aserbaidschan kümmern sich grundsätzlich die Kinder um die älter werdenden Eltern. Üblicherweise sind die alten Eltern abwechselnd bei den Kindern für ein zwei Wochen, so dass der Kontakt, die Fürsorge und Versorgung der Älteren sich auf mehreren Schultern der Kinder verteilt.

Zülfiyya hat uns von den reichen Bodenschätzen Aserbaidschan erzählt, von den 9 Klimazonen, dem Schulsystem, den schmackhaften, sonnenverwöhnten Früchten und Gemüsesorten ihres Herkunftslandes.

In Aserbaidschan ist es normal, sich in drei Sprachen perfekt ausdrücken zu können: Aserbaidschanisch, Türkisch und Russisch. Das ist sehr beeindruckend.

Die Tafel war von Zülfiyya reich gedeckt mit köstlichen Speisen und ein Reisender sagte „Irgendwie fühlt es sich bei dir an, als wäre ich bei der eigenen Familie zu Besuch.“

Ja, wir fühlten uns von Zülfiyya mit ihrer Herzenswärme umarmt.

Vielen Dank, Zülfiyya, dass du uns dieses Gefühl vermittelt hast.

 

 

9/2019

Zübeyde lebt seit ihrem siebten Lebensjahr in Deutschland und ist ähnlich gern in Deutschland wie in der Türkei.

Während der zweistündigen Reise, kamen immer mal Familienmitglieder ins Wohnzimmer und begrüßten die Reisegruppe. So haben wir nach und nach den Ehemann und die beiden erwachsenen Söhne kennengelernt und konnten auch ihnen Fragen zu ihrem Leben stellen.

Zübeyde hat uns über ihr anstrengendes Leben mit Schichtarbeit und Versorgung der Familie erzählt, von ihrer Arbeit in der Moschee-Gemeinde, von ihren Freundinnen, die sie einmal im Monat in großer Runde trifft, von ihrer Verwandtschaft in der Türkei und von ihren Plänen fürs Alter.

Der älteste Sohn hat von der Möglichkeit an türkischen Universitäten Klausuren auf Deutsch, Englisch oder Türkisch abzulegen berichtet.

Zübeyde hat uns köstlich bewirtet und ihr Mann hat reichlich Tee nachgeschenkt. Wir fühlten uns sehr willkommen.

Wir dürfen jederzeit wieder zu ihr kommen. Einfach klingeln und ein bisschen quatschen.

Danke Zübeyde!